Neuer Marketing-Trend für Onlineshops

In der Juli-Ausgabe seines Marketing-Magazins marke-x berichtet Sascha Langner von einem neuen Marketing-Trend für Onlineshops aus den USA namens „WOOT“ (http://www.marke-x.de/deutsch/webmarketing/archiv/web-events.htm). Hier wird jeden Tag mit offenbar grossem Erfolg jeweils ab 00.00 Uhr ein anderer Artikel zu einem besonders günstigen Preis angeboten, wobei den Kunden vorher nicht bekannt ist,

- welches Produkt zu welchem Preis das sein wird und
- wie groß der Vorrat ist, d.h. wie lang der Vorrat an diesem Tag reichen wird.

Nun ist es in Deutschland so: Bei allem, was im Internet Spaß macht, spucken Juristen „in die Suppe“. So schon bei den eCard- und tell-a-friend-Funktionen und jetzt auch beim Woot, denn dieses System lässt sich wettbewerbsrechtlich wohl nicht so einfach eins-zu-eins auf den deutschen Markt übertragen.

Problematisch dürfte beim Woot der Punkt sein, dass der Kunde vorher nicht weiß, wie groß der Vorrat ist bzw. davon ausgehen muss, dass der Vorrat binnen weniger Minuten oder Stunden ausverkauft sein wird.

Der Discounter Lidl hat unlängst erfahren, wie teuer es werden kann, angebotene Sonderangebote nicht in ausreichender Menge auf Vorrat zu haben, denn wegen der Bahnticket-Aktion (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,363666,00.html) und auch wegen einer Digitialkamara-Aktion (http://www.vzbv.de/go/presse/565/5/24/index.html) reichte die Wettbewerbszentrale Klagen ein. Auch das OLG Hamburg hat aktuell in einem Fall, in dem es um binnen weniger Stunden ausverkaufte Weihnachtsleuchter in einer Supermarktkette ging, gegen den Discounter entschieden (Urteil des OLG Hamburg vom 07.03.2005, Az. 5 U 99/04). Trotz des Hinweises, wonach der Artikel „trotz sorgfältiger Bevorratung kurzfristig ausverkauft sein kann“ lag nach Ansicht des Gerichts ein Wettbewerbsverstoß vor.

Nach § 5 Abs. 5 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) ist es jedoch irreführend, für eine Ware zu werben, die unter Berücksichtigung der Art der Ware sowie der Gestaltung und Verbreitung der Werbung nicht in angemessener Menge zur Befriedigung der zu erwartenden Nachfrage vorgehalten ist. Angemessen ist im Regelfall ein Vorrat für zwei Tage, es sei denn, der Unternehmer weist Gründe nach, die eine geringere Bevorratung rechtfertigen.

Diese Gründe könnten beim Woot in der Aktion selbst begründet sein, denn die Idee ist ja gerade so angelegt, dass das Angebot immer nur 24 Stunden Gültigkeit hat und der Kunde erwartet auch nichts anderes. Der Reiz des Woot liegt aber darüber hinaus darin, dass nur eine geringe Anzahl des Angebots innerhalb weniger Minuten oder Stunden verkauft wird und der Kunde gleich zu Beginn der Aktion um 00.00 Uhr online gehen muss. Dieses Vorgehen ist, wenn es täglich und systematisch so erfolgt, mit der deutschen Rechtslage wohl kaum vereinbar. Selbst wenn man beim Woot grundsätzlich eine nur eintägige Bevorratung als angemessen ansehen würde, würde das nicht ausreichen, denn im Regelfall ist die Ware schneller ausverkauft.

Es bleibt daher abzuwarten, wie die Rechtsrechung sich in diesem Bereich entwickelt. Zurzeit sollten Onlineshopbetreiber jedoch vorsichtig mit dem Einsatz dieser Marketing-Idee sein.


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